Zahnfehlstellung und mehr durch Schnuller?

Interview zum Thema mit Dr. Bettina Brem

Der Schnuller ist ein wichtiger Tröster im Alltag, doch eine zu lange Nutzung kann Spuren hinterlassen. Von Kieferverformungen bis hin zu Auswirkungen auf die Sprachentwicklung – die Risiken für die Zahngesundheit sind vielfältig. Doch ab wann wird das Saugen kritisch und wie gelingt der sanfte Abschied? In unserem Interview beantwortet Frau Dr. Brem die wichtigsten Fragen und erklärt, worauf Eltern achten sollten, um ein gesundes Kinderlachen zu fördern.

Dr. Brem

Frau Dr. Brem, viele Eltern fragen sich, ob der Schnuller grundsätzlich schädlich für die Mundentwicklung ist. Wie sehen Sie das aus zahnärztlicher Sicht?

Ein Schnuller ist nicht per se schädlich – im Gegenteil, er kann in den ersten Lebensmonaten sogar hilfreich sein. Das Saugen hat eine beruhigende Wirkung auf Babys und ist ein natürlicher Reflex, der Sicherheit vermittelt. Problematisch wird es allerdings, wenn der Schnuller zu häufig, zu lange oder über den 2. Geburtstag hinaus verwendet wird. Dann kann er die Entwicklung von Kiefer, Zähnen und Muskulatur beeinflussen – und langfristig zu einem falschen Schluckmuster führen.

Was genau versteht man unter einem „falschen Schluckmuster“?

Ein falsches Schluckmuster bedeutet, dass die Zunge beim Schlucken zu weit nach vorne oder gegen die Zähne drückt, anstatt an den Gaumen. Das ist häufig eine Folge von zu langen oder intensiven Schnullern, Daumenlutschen oder Flaschentrinken. Normalerweise sollte sich die Zunge beim Schlucken an den Gaumen anlegen, um die Nahrung in den Rachen zu befördern. Wenn dieses Muster nicht richtig erlernt wird, kann das langfristig Zahnfehlstellungen, offene Bisse oder Sprachprobleme begünstigen.

Wie entsteht dieser Zusammenhang zwischen Schnuller und falschem Schluckmuster konkret?

Wenn ein Kind über längere Zeit regelmäßig am Schnuller saugt, gewöhnt sich die Zunge an eine bestimmte Position – meist tief im Mundraum und nach vorne gerichtet. Diese Position bleibt oft auch beim Essen, Trinken oder Sprechen bestehen. Dadurch wird das richtige Zusammenspiel der Lippen-, Zungen- und Kaumuskulatur gestört. Die Zunge „lernt“ sozusagen ein falsches Bewegungsmuster. Bleibt dieses Muster bestehen, spricht man von einem sogenannten myofunktionellen Ungleichgewicht, das sich auf die gesamte Mundmotorik auswirken kann.

Welche Folgen kann ein falsches Schluckmuster für die Zahngesundheit und Entwicklung haben?

Die häufigste Folge ist ein sogenannter offener Biss – das bedeutet, dass sich die oberen und unteren Schneidezähne beim Schließen des Mundes nicht berühren. Dadurch können Kaustörungen entstehen, und das Kind hat eventuell Schwierigkeiten beim Abbeißen oder Kauen. Außerdem kann ein falsches Schluckmuster Sprachentwicklungsprobleme fördern, weil bestimmte Laute wie s, z oder sch nicht korrekt gebildet werden können. Auch die Nasenatmung wird oft beeinträchtigt, wenn Kinder gewohnheitsmäßig mit offenem Mund atmen.

Das klingt nach guten Gründen, den Schnuller rechtzeitig abzugewöhnen. Doch für viele Kinder ist das gar nicht so einfach – was raten Sie Eltern?

Das stimmt, der Abschied vom Schnuller ist oft emotional – sowohl für Kinder als auch für Eltern. Deshalb helfen positive Rituale, die den Moment zu etwas Besonderem machen. Eine schöne Möglichkeit ist die Schnullerfee: Das Kind „schenkt“ seinen Schnuller der Fee, die ihn nachts abholt und im Gegenzug eine kleine Überraschung hinterlässt. So wird der Abschied spielerisch und liebevoll erlebt, statt als Verlust.

In Ihrer Praxis gibt es ja die Lachzahn-Schnullerfee. Was hat es damit auf sich?

Ja, das ist ein besonderes Highlight bei uns! Um den Kindern den Abschied noch leichter zu machen, laden wir regelmäßig unsere Lachzahn-Schnullerfee in die Praxis ein. Sie kommt in einem langen Kleid mit Flügeln und nimmt die Schnuller persönlich entgegen. Die Kinder dürfen ihren Schnuller feierlich übergeben und bekommen dafür ein kleines Kuschelbärchen als Erinnerung. Diese Begegnung ist für viele Kinder ein magischer Moment – und für die Eltern oft sehr rührend zu beobachten. Damit wir den Besuch gut organisieren können, bitten wir um vorherige Anmeldung. So können wir jedem Kind genügend Zeit und Aufmerksamkeit schenken.

Haben Sie Tipps, wie Eltern die Schnullerentwöhnung erleichtern können?

Ja, ganz entscheidend ist, dass die Entwöhnung in einer ruhigen Lebensphase stattfindet – also nicht gerade dann, wenn ein Geschwisterchen geboren wird oder der Kindergartenstart ansteht. Eltern sollten ihr Kind liebevoll vorbereiten und erklären, warum der Schnuller jetzt „gehen darf“. Rituale helfen sehr: Ein kleiner Abschiedsbrief an die Schnullerfee, ein festes Datum oder das Aussuchen eines Abschiedsgeschenks machen den Prozess greifbar. Wichtig ist, konsequent zu bleiben, aber ohne Druck oder Bestrafung. Meist gelingt der Abschied dann erstaunlich schnell – und die Kinder sind im Nachhinein sehr stolz darauf.

Was können Eltern tun, wenn sie den Verdacht haben, dass ihr Kind bereits ein falsches Schluckmuster entwickelt hat?

In diesem Fall sollte man zunächst den Kinderzahnarzt oder eine Logopädin aufsuchen. Eine genaue Untersuchung zeigt, ob tatsächlich eine myofunktionelle Störung vorliegt. Wenn ja, helfen gezielte myofunktionelle Übungen, die Zungen- und Lippenmuskulatur zu trainieren und das richtige Schluckmuster wiederzuerlangen. Früh erkannt lässt sich das meist sehr gut korrigieren – je früher, desto besser!

Dr. Brem

Haben Sie zum Schluss einen Tipp, wie Eltern Schnuller und Zahnentwicklung gut in Balance halten können?

Ein Schnuller darf Trost spenden, beruhigen und beim Einschlafen helfen – wichtig ist jedoch, ihn bewusst und dosiert einzusetzen. Er sollte kein ständiger Begleiter sein, sondern gezielt in Momenten genutzt werden, in denen Ihr Kind wirklich Beruhigung braucht.

Achten Sie darauf, einen kiefergerechten, flachen Schnuller mit weichem Sauger zu wählen und diesen regelmäßig auszutauschen. Noch wichtiger ist jedoch, Ihrem Kind viele Gelegenheiten zum freien Sprechen, Kauen und Trinken aus dem Becher zu geben – so werden Zungen- und Lippenmuskulatur auf natürliche Weise trainiert. Ein Schnuller kann in den ersten Lebensjahren also ein treuer Helfer sein – wenn Eltern auf Dauer und Häufigkeit der Nutzung achten. Mit einem achtsamen Umgang unterstützen Sie die gesunde Kieferentwicklung Ihres Kindes und beugen falschen Schluckmustern frühzeitig vor.

Kinderzahnarzt Lachzahn - das sagen unsere Patienten:

Ich war heute mit meiner Tochter zur Milchzahnentfernung bei lachzahn. Das Team hat ihren Zahn so spielerisch und einfühlsam „weggezaubert“, dass sie überhaupt keine Angst hatte. Selbst die Betäubungsspritze hat sie kaum mitbekommen. Daher gilt mein großes Lob dem ganzen Lachzahn-Team!